Von Mai bis in den Spätsommer liegt auf jedem Feldrand etwas, das harmlos aussieht und es nicht ist: Grannen. Die spitzen Fortsätze reifer Gräser hängen sich ins Fell, arbeiten sich in die Haut und wandern von dort weiter in den Körper.

Was Grannen sind
Grannen sind die borstenartigen Fortsätze an den Samen vieler Gräser und Getreidearten, besonders bei Wiesen-Fuchsschwanz, Gerste und Wildroggen. Drei Eigenschaften machen sie gefährlich:
- Sie sind spitz und tragen feine Widerhaken.
- Sie sind hart genug, um Haut und Schleimhaut zu durchdringen.
- Die Widerhaken wirken nur in eine Richtung. Durch jede Bewegung des Hundes rutscht die Granne weiter hinein, nie zurück.
Deshalb bleibt es selten bei einer oberflächlichen Verletzung. Grannen wandern, und je nach Eintrittsstelle landen sie in Gelenken, Nebenhöhlen, Brust- oder Bauchraum.
Woran du ein Problem erkennst
Die Zeichen unterscheiden sich je nachdem, wo die Granne eingedrungen ist:
- Ohr: plötzliches heftiges Kopfschütteln, Kopfschiefhaltung, Kratzen am Ohr, Schmerzäußerung beim Berühren
- Pfote und Zwischenzehen: Humpeln, anhaltendes Lecken an einer Stelle, Schwellung, später ein nässender Knoten
- Auge: Blinzeln, Reiben, Tränenfluss, Lichtscheu
- Nase: heftiges Niesen aus dem Nichts, einseitiger, oft blutiger Ausfluss
- Haut: entzündete Stellen, Abszesse oder Fisteln, vor allem an Achseln, Brust und Bauch
- Maul und Rachen: Würgen, Husten, Schlingen
Das verbindende Merkmal ist der plötzliche Beginn. Ein Hund, der eben noch normal gelaufen ist und nun humpelt oder den Kopf schüttelt, war in den letzten Stunden vermutlich im hohen Gras.
Was zu tun ist
Sitzt die Granne sichtbar im Fell oder lose zwischen den Zehen, kannst du sie vorsichtig herausziehen.
Alles andere gehört in die Tierarztpraxis, und zwar zügig: Grannen im Ohr, in der Nase, am Auge oder unter der Haut. Der Grund ist die Wanderung. Je länger gewartet wird, desto tiefer sitzt sie und desto aufwendiger wird die Entfernung, im Ohr und in der Nase meist unter Narkose.
Nicht selbst herumstochern und nicht mit der Pinzette in Ohr oder Nase gehen. Eine angebrochene Granne lässt sich schlechter finden als eine ganze, und was nach hinten geschoben wird, kommt nicht von selbst zurück.
Vorbeugen
- Abgereifte Getreidefelder und ihre Ränder in den Sommermonaten meiden
- Nach jedem Spaziergang absuchen: Zwischenzehen, Ohren, Achseln, Bauch, Rute
- Fell an Pfoten und Ohren kurz halten, gerade bei Rassen mit viel Behaarung zwischen den Ballen
- Im hohen Gras an der Schleppleine gehen statt rennen lassen
Die Kontrolle nach dem Spaziergang ist die wirksamste Einzelmaßnahme, und sie dauert zwei Minuten. In dieser Zeit findest du die Granne noch im Fell, bevor sie in der Haut steckt.
Fazit
Grannen sind kein Grund, den Sommer zu meiden, aber ein Grund, hinzusehen. Wer die Wiesen kennt, den Hund absucht und beim plötzlichen Humpeln oder Kopfschütteln nicht abwartet, hat das Wesentliche getan.