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Nach dem Sachkundenachweis: Wie Übungsleiter sich weiterbilden

Was die Verbandsausbildung vermittelt, welche Themen darüber hinausgehen, woran du eine gute Fortbildung erkennst und welche Bücher sich lohnen.

Wer im Verein eine Gruppe übernimmt, macht dafür den Lehrgang des Verbands. Mit dem Sachkundenachweis ist die formale Ausbildung zunächst abgeschlossen. Wie es fachlich weitergeht, hängt danach davon ab, welche Fortbildungen jemand besucht und womit er sich darüber hinaus beschäftigt. Dieser Beitrag sammelt, was sich dafür anbietet.

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Was der Verbandslehrgang abdeckt

Der Deutsche Verband der Gebrauchshundsportvereine bildet Ausbildungswarte, Übungsleiter und Trainer nach einer eigenen Ausbildungsordnung aus. Jedes Erwerbsseminar wird mit einer schriftlichen Lernzielüberprüfung im Multiple-Choice-Verfahren abgeschlossen, zusätzlich muss der praktische Teil bestanden werden. Danach wird der Sachkundenachweis des Verbands für das Deutsche Hundewesen ausgestellt.

Die aktuelle Ausbildungsordnung sieht für den Erwerb des Sachkundenachweises in einer Sportart mindestens 42 Ausbildungsstunden vor: 20 Stunden Theorie und 22 Stunden Praxis. Darin enthalten sind 28 Stunden allgemeine Ausbildung sowie 14 Stunden sportartspezifische Ausbildung.

Vier Stunden entfallen auf die Verbandsstruktur, vier auf Lernen einschließlich Tierschutz und rechtlichem Rahmen, vier auf Erste Hilfe, acht auf allgemeine Kynologie und Grundausbildung und acht auf Basisausbildung. Hinzu kommen 14 Stunden in der jeweiligen Sportart, jeweils sieben Stunden Theorie und Praxis. Die praktischen Seminare sind mit etwa 75 Prozent Praxisanteil vorgesehen.

Inhaltlich ist das breiter, als viele erwarten. Im Lernteil stehen ausdrücklich nicht-assoziatives Lernen, klassische und operante Konditionierung sowie Emotionen und Motivation. Die Kynologie behandelt Abstammung, Ausdrucksverhalten und Körpersprache, die Basisausbildung Entwicklungsphasen, Prüfungswesen und die Didaktik von Übungsstunden. Die praktischen Seminare sind mit etwa 75 Prozent Praxisanteil vorgesehen.

Das ist solide für das, wofür es gedacht ist: eine Sportart unterrichten zu können. Der Nachweis wird je Sparte erworben, und die Zugangsvoraussetzung ist praktische Tätigkeit in dieser Sparte, also Prüfungen und Wettkämpfe.

Ausführlich haben wir das in einem eigenen Beitrag beschrieben: Trainer, Übungsleiter, Ausbildungswart: Wer steht da eigentlich vor der Gruppe?

Was offenbleibt

Lerngrundlagen, Kommunikation und die Gestaltung von Übungsstunden sind damit ausdrücklich Bestandteil der Ausbildung.

Was in der Ordnung dagegen an keiner Stelle vorkommt, sind die Begriffe Stress, Angst und Aggression. Wer regelmäßig Gruppen anleitet, trifft genau darauf aber regelmäßig. Unter Sozialstruktur führt die Ordnung zudem weiterhin die Rangordnung auf, während die Übertragung dieses Modells auf das Zusammenleben mit dem Familienhund in der Verhaltensbiologie längst umstritten ist.

Drei Dinge fallen in der Praxis regelmäßig durch das Raster:

  • Lerntheorie über Grundbegriffe hinaus. Wann verstärkt man, in welchem Abstand, wie baut man Verhalten ab, ohne zu strafen, warum scheitert ein Signal an der Generalisierung.
  • Stress und Körpersprache. Zu erkennen, wann ein Hund nicht mehr aufnahmefähig ist, bevor es der Halter merkt.
  • Angst und Aggression. Nicht, um sie in der Gruppe zu behandeln, sondern um zu erkennen, wann eine Gruppe der falsche Ort ist.

Das ist kein Vorwurf. Ein Lehrgang kann nicht sämtliche Bereiche des Hundeverhaltens vertiefen, und ein Sportverband bildet in erster Linie für den Sport aus. Für die genannten Themen lohnt sich deshalb zusätzliche Beschäftigung.

Weiterbildung über den Verband

Der naheliegendste Weg ist der eigene: Der Sachkundenachweis gilt je Sportart fünf Jahre. Zur Verlängerung ist je Sportart eine Fortbildung nötig, die mindestens drei Stunden umfassen muss. Der Verband und seine Landesverbände bieten solche Seminare regelmäßig an, teils sportbezogen, teils spartenübergreifend.

Die vorgeschriebene Fortbildung sorgt dafür, dass Inhaber des Nachweises regelmäßig dazulernen. Wie viel dabei herauskommt, hängt vom Thema ab, vom Referenten und davon, wie viel davon anschließend in der eigenen Arbeit ankommt.

Weiterbildung außerhalb des Verbands

Fachseminare bei Referenten. Sie vertiefen Themen, die in einer sportartbezogenen Ausbildung nur am Rand vorkommen: Lernverhalten, Ausdrucksverhalten, Stress, Angst, Aggression, gesundheitliche Einflüsse auf Verhalten.

Ausbildungen bei privaten Anbietern. Sie dauern je nach Anbieter ein bis zwei Jahre und kosten entsprechend. Der Umfang allein sagt dabei wenig aus, entscheidend sind die Kriterien weiter unten.

Fachtagungen. Einmal im Jahr zuhören, was in der Forschung passiert, sortiert vieles. Man muss nicht alles verstehen, um zu merken, welche Gewissheiten gerade wackeln.

Woran du eine gute Fortbildung erkennst

Das Angebot ist groß und die Qualität schwankt. Fünf Fragen helfen bei der Auswahl:

  • Wer unterrichtet? Welche fachliche Grundlage hat die Person, und lässt sie sich nachprüfen?
  • Worauf stützen sich die Inhalte? Werden Quellen genannt, oder bleibt es bei Erfahrung und Überzeugung?
  • Wie viel Praxis ist dabei? Und bekommst du Rückmeldung zu dem, was du selbst tust?
  • Wird zwischen Sport und Verhaltensproblemen unterschieden? Ein Angebot, das beides in einen Topf wirft, hilft bei keinem von beidem.
  • Wie alt sind die Inhalte? Wer seit fünfzehn Jahren dieselben Folien zeigt, hat seitdem nichts eingearbeitet.

Keine dieser Fragen ist unhöflich. Wer gute Arbeit macht, beantwortet sie gern.

Bücher, die sich lohnen

Das meiste Wissen holt man sich aber nicht auf Veranstaltungen, sondern im Sessel. Diese Titel kommen bei uns im Verein immer wieder vor. Sie sind bewusst anders zusammengestellt als die Listen, die zur Prüfungsvorbereitung herumgereicht werden, dazu weiter unten mehr.

Die Titel sind in den Buchhandel verlinkt. Es sind keine Provisionslinks, wir verdienen daran nichts.

In eigener Sache: Zwei Titel dieser Liste stammen von Michael Sauerwein aus unserem Verein. Wir führen sie auf, weil sie für genau diese Themen geschrieben wurden.

Wie Hunde lernen

Karen Pryor, „Positiv bestärken – sanft erziehen" Eine grundlegende Einführung in positive Verstärkung, Timing und Shaping, entstanden aus der Arbeit mit Meeressäugern. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Jean Donaldson, „Hunde sind anders" Setzt sich kritisch mit vermenschlichenden Erklärungen wie Trotz oder Absicht auseinander. Im Ton stellenweise scharf, in der Sache klar. Zu bestellen bei Amazon.

Michael Sauerwein, „Lehrbuch Hundetraining" Nach Trainingsfragen geordnet statt nach Forschungsfeldern: vom Signalaufbau über Fehlerquellen bis zur Gruppenstunde, auf Deutsch und mit Angabe der Studien, auf denen die Aussagen beruhen. Kein Überblick über den Forschungsstand, sondern der Weg von dort zur Anwendung. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Was Hunde zeigen

Dorit Urd Feddersen-Petersen, „Ausdrucksverhalten beim Hund" Das Standardwerk zur Körpersprache auf ethologischer Grundlage. Kein Buch für den Abend auf dem Sofa, aber die Grundlage für alles, was man auf dem Platz sieht. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Udo Gansloßer und Petra Krivy, „Verhaltensbiologie Hund – Praxisbuch" Herkunft, Wahrnehmung, Sozialverhalten und Lernen, aufbereitet für Leute aus der Praxis. Die Brücke zwischen Fachliteratur und Platzarbeit. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Turid Rugaas, „Calming Signals" Hat den Blick vieler Halter auf Beschwichtigungssignale überhaupt erst geschärft. Die Beobachtungen stammen allerdings aus der Praxis und sind nicht experimentell überprüft. Als Sehschule brauchbar, als Lehrbuch nicht. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Wenn es schwieriger wird

Patricia B. McConnell, „Das andere Ende der Leine" Über den Anteil des Menschen an dem, was der Hund tut. Warum wir uns bücken, reden und festhalten, und warum das oft das Gegenteil bewirkt. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Anders Hallgren, „Stress, Angst und Aggression bei Hunden" Behandelt die Zusammenhänge zwischen Stress, Verhalten und Lernbedingungen. Für die Gruppenstunde eine der nützlichsten Perspektiven. Zu bestellen bei Amazon.

James O'Heare, „Das Aggressionsverhalten des Hundes" Systematisch, nüchtern, ohne Schuldzuweisungen an Hund oder Halter. Hilft vor allem dabei, Aggressionsverhalten einzuordnen, statt es zu bewerten. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Udo Gansloßer und Sophie Strodtbeck, „Kastration und Verhalten beim Hund" Behandelt die Zusammenhänge zwischen Kastration, Hormonen und Verhalten und zeigt, warum pauschale Erwartungen an Verhaltensänderungen problematisch sind. Die Frage kommt in jeder zweiten Gruppenstunde auf. Zu bestellen bei Thalia.

Michael Sauerwein, „Zwischen Training und Tierarzt" Über den Bereich, in dem Verhalten und Gesundheit ineinandergreifen: Schmerz, Erkrankung, Medikamente und die Frage, wann Training an seine Grenzen kommt. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Für die Arbeit in der Gruppe

Leslie McDevitt, „Stressfrei ins Hundeleben" Entstanden aus der Arbeit mit Hunden, die in Gruppen und auf Turnieren überfordert waren. Liefert Übungen für genau die Situation, die jeder Übungsleiter kennt: ein Hund, der nicht mehr ansprechbar ist, während sieben andere warten. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Zum Weiterdenken

Ádám Miklósi, „Dog Behaviour, Evolution, and Cognition" Eine Forschungssynthese: Was ist zu Domestikation, Wahrnehmung, Sozialverhalten und Kognition tatsächlich untersucht worden, wo widersprechen sich die Befunde, wo endet das Wissen. Auf Englisch, akademisch geschrieben, ohne jeden Praxisbezug. Man plant damit keine Übungsstunde, aber man versteht, worauf sich Aussagen stützen, die anderswo als gesichert auftreten. Zu bestellen bei Thalia oder Hugendubel.

Literaturlisten richtig einordnen

Wer sich auf eine Prüfung vorbereitet, bekommt meist eine Literaturliste an die Hand, vom Amt, vom Verband oder vom Anbieter der Ausbildung. Solche Listen sind nützlich, wenn man weiß, wofür sie gedacht sind.

Sie sollen abbilden, was für eine bestimmte Prüfung verlangt wird. Das ist etwas anderes als der Stand des Wissens. Je nach Herausgeber werden solche Listen in unterschiedlichen Abständen aktualisiert, und es lohnt sich, neben dem Erscheinungsjahr zu prüfen, ob neuere Forschung zum jeweiligen Thema berücksichtigt ist.

Wenn dir eine Liste vorliegt, lohnt ein Blick auf die Jahreszahlen. Liegt der jüngste Titel zehn Jahre zurück, fehlt alles, was seitdem dazugekommen ist. Im Hundebereich ist das einiges: die Untersuchungen zu Trainingsmethoden und Stressbelastung aus den Jahren ab 2017, der Zusammenhang zwischen Schmerz und Verhaltensänderung, die Arbeiten zur Kognition.

Ein zweiter Blick gilt dem Gegenstand. Auf älteren Listen stehen regelmäßig Titel, die vom Wolf auf den Hund schließen. Sie waren zu ihrer Zeit gut recherchiert, nur haben sich die Schlüsse verändert, die man daraus für das Zusammenleben mit dem Familienhund zieht.

Umgekehrt ist nicht jeder ältere Titel überholt. Das Ausdrucksverhalten von Feddersen-Petersen wird nicht dadurch falsch, dass es 2008 erschienen ist, und rechtliche Grundlagen ändern sich langsamer als die Forschung. Die bessere Frage als „wie alt" lautet: Hat sich zu diesem Gegenstand seitdem etwas geändert?

Was du weglassen kannst

Kritisch einzuordnen sind ältere Ratgeber, die das Verhältnis zwischen Mensch und Hund pauschal als Rangordnung deuten und daraus Regeln wie körperliches Durchsetzen, Rangreduktion oder ständige Kontrolle von Ressourcen ableiten.

Dominanz als Begriff der Verhaltensbiologie ist damit nicht erledigt. Problematisch ist die Übertragung vereinfachter Wolfsrudelmodelle auf das Zusammenleben mit dem Familienhund und die Ableitung pauschaler Trainingsregeln daraus.

Erkennen kannst du solche Bücher an drei Dingen: am Rudelbegriff für die Familie, an der Rede vom Rangordnungsanspruch des Hundes, und an Ratschlägen, die auf körperlicher Einwirkung beruhen.

Zum Hintergrund: Was moderne Verhaltensforschung über Hunde zeigt und Warum auf vielen Hundeplätzen immer noch über Druck trainiert wird.

Wie wir es halten

Wer bei uns eine Gruppe übernimmt, bekommt Zeit zum Mitlaufen, bevor er selbst anleitet. Fortbildungen unterstützen wir, und wir sagen offen, wo unsere Möglichkeiten enden.

Wenn du überlegst, bei uns einzusteigen, oder wissen willst, wie wir arbeiten: Schreib uns oder komm zum Training vorbei. Die Zeiten stehen unter Trainingszeiten.