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Hundeerziehung und Training

Warum auf vielen Hundeplätzen immer noch über Druck trainiert wird

Leinenruck, Stachelhalsband, Schnauzengriff: Auf vielen Plätzen gehört das noch dazu. Was Recht und Forschung dazu sagen und woran du einen fairen Verein erkennst.

Wer sich in der Region nach einem Hundeverein umsieht, erlebt sehr unterschiedliche Plätze. Auf dem einen wird mit Futter, Spiel und Geduld gearbeitet. Auf dem anderen ruckt jemand an der Leine, wenn der Hund zieht, greift dem Junghund in den Fang, wenn er bellt, oder drückt ihn ins Platz. Und fast immer fällt dabei derselbe Satz: Das haben wir hier schon immer so gemacht.

Beitragsbild: Warum auf vielen Hundeplätzen immer noch über Druck trainiert wird

Wir schreiben das nicht, um auf andere zu zeigen. Wir schreiben es, weil Hundehalter oft gar nicht wissen, dass sie eine Wahl haben, und weil viele glauben, so müsse Hundetraining eben sein.

Was mit aversivem Training gemeint ist

Aversiv heißt: Der Hund lernt, weil etwas Unangenehmes aufhört oder droht. Dazu gehören Leinenruck und Zughalsband, Stachelhalsbänder, Schreckreize wie Rütteldosen, Wurfketten und Sprühflaschen sowie das Anschreien. Auch körperliche Einwirkungen wie Abdrängen, Schnauzengriff oder das Festhalten am Boden gehören dazu, sobald sie eingesetzt werden, um Verhalten über Druck oder Unbehagen zu unterbinden. Auf die Absicht und auf die Stärke kommt es dabei an, nicht auf den Namen des Handgriffs.

Das Gegenstück ist nicht Nachgiebigkeit. Es heißt, dem Hund zu zeigen, was sich lohnt, ihm Alternativen aufzubauen und die Umgebung so zu gestalten, dass er überhaupt eine Chance hat, es richtig zu machen.

Die Rechtslage ist eindeutiger, als viele denken

Drei Fälle muss man auseinanderhalten, weil sie auf verschiedenen Vorschriften beruhen.

Elektroreizgeräte sind verboten. Grundlage ist § 3 Nummer 11 Tierschutzgesetz. Das Bundesverwaltungsgericht hat 2006 entschieden, dass es dabei nicht auf den Einzelfall und nicht auf die Sachkunde des Anwenders ankommt, sondern darauf, ob ein Gerät bauartbedingt geeignet ist, erhebliche Schmerzen zuzufügen (BVerwG, Urteil vom 23.02.2006, 3 C 14.05). Ein Verstoß ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld geahndet werden.

Stachelhalsbänder sind seit dem 1. Januar 2022 ausdrücklich geregelt. Der damals eingefügte § 2 Absatz 5 der Tierschutz-Hundeverordnung lautet: Es ist verboten, bei der Ausbildung, bei der Erziehung oder beim Training von Hunden Stachelhalsbänder oder andere für die Hunde schmerzhafte Mittel zu verwenden. Damit braucht es keine Abwägung im Einzelfall mehr, und der Verband für das Deutsche Hundewesen hat das Stachelhalsband für seine Mitgliedsvereine entsprechend untersagt.

Der zweite Halbsatz ist dabei der weitreichendere: andere für die Hunde schmerzhafte Mittel. Darunter fällt vieles, was auf Plätzen noch benutzt wird, vom kräftigen Leinenruck am Zughalsband bis zum Schreckreiz.

Würgehalsbänder sind nicht pauschal verboten. Hier kommt es auf Ausführung und Verwendung an. Ein Halsband mit begrenztem Zug, das ein Herausschlüpfen verhindert, ist etwas anderes als ein Kettenwürger, der dem Hund gezielt die Luft nimmt. Sobald damit über Schmerz oder Atemnot eingewirkt wird, greifen dieselben Vorschriften.

Dass all diese Hilfsmittel weiterhin im Internet verkauft werden, ändert daran nichts. Der Handel ist eine Sache, die Anwendung am Hund eine andere.

Was die Untersuchungen zeigen

Lange gab es zu diesem Thema vor allem Umfragen unter Haltern. Eine der ersten größeren Untersuchungen, die das Vorgehen im Training direkt mit beobachtetem Verhalten und körperlichen Stresswerten verglichen hat, kommt von einer Arbeitsgruppe der Universität Porto. Beobachtet wurden 92 Familienhunde aus sieben Hundeschulen, die entweder überwiegend aversiv, überwiegend über Belohnung oder gemischt arbeiteten. Das Training wurde gefilmt, dazu wurde Speichel auf das Stresshormon Kortisol untersucht.

Das Ergebnis: Hunde aus den aversiv arbeitenden Schulen zeigten während des Trainings häufiger Stressverhalten, hechelten mehr und hatten nach dem Training stärker erhöhte Kortisolwerte. In einem zusätzlichen Test außerhalb des gewohnten Umfelds reagierten sie zurückhaltender auf mehrdeutige Situationen, was als pessimistischere Grundstimmung gedeutet wird. Die Arbeit ist frei zugänglich und lässt sich hier nachlesen.

Eine weitere Arbeit derselben Gruppe hat anschließend verglichen, wie gut und wie schnell Hunde mit den verschiedenen Vorgehensweisen überhaupt lernen. Das Argument, ohne Druck gehe es eben nicht, lässt sich damit nicht halten.

Einordnen muss man das trotzdem. Untersucht wurden Hunde in Portugal, nicht in deutschen Vereinen. Die Schulen wurden nicht zufällig zugeteilt, die Halter hatten sie selbst ausgesucht, und Menschen, die eine bestimmte Trainingsrichtung wählen, unterscheiden sich möglicherweise auch sonst. Erhöhtes Kortisol allein ist außerdem kein Beweis für Leiden, es steigt auch bei Aufregung und Anstrengung. Die Richtung der Befunde ist dennoch deutlich, und sie deckt sich mit einer Übersichtsarbeit derselben Forschungsgruppe, die schon 2017 die bis dahin vorliegenden Untersuchungen zusammengetragen hatte.

Ist der Leinenruck damit verboten?

Eine eigene Vorschrift dazu gibt es nicht. Maßgeblich ist der zweite Halbsatz aus der Verordnung: Tut der Ruck dem Hund weh, ist er ein schmerzhaftes Mittel und im Training untersagt. Wo genau die Grenze liegt, hängt von Kraft, Halsband und Hund ab, und genau das macht die Sache in der Praxis unübersichtlich. Für uns ist die Frage damit ohnehin beantwortet, denn wir arbeiten gar nicht erst so.

Warum es sich trotzdem hält

Der wichtigste Grund ist unbequem: Aversives Training wirkt kurzfristig oft sofort. Der Hund hört auf zu ziehen, er hört auf zu bellen, er liegt. Für den Menschen, der geruckt hat, ist das eine Belohnung. Er wird also selbst dafür verstärkt, es beim nächsten Mal wieder zu tun.

Was dabei untergeht: Der Hund hat nicht gelernt, was er stattdessen tun soll. Er hat gelernt, dass sich das Zeigen eines Verhaltens nicht lohnt. Bei Angst und Aggression ist das besonders heikel, denn wenn das Knurren bestraft wird, verschwindet nicht die Angst, sondern nur die Warnung davor.

Dazu kommt die Gewohnheit. Wer selbst so ausgebildet wurde und seit zwanzig Jahren Gruppen leitet, stellt seine Arbeit nicht gern infrage. Und im Verein wirkt das doppelt, weil Übungsleiter ehrenamtlich arbeiten und niemand den Langjährigen vor den Kopf stoßen will.

Wie wir es halten

Bei uns steht das in der Satzung, nicht nur auf der Website. Verboten sind im gesamten Vereinsbetrieb Elektro-, Vibrations- und Sprühhalsbänder, Würge-, Zug- und Stachelhalsbänder, Geschirre, die über Schmerz oder starke Einschränkung einwirken, Leinenruck und körperliche Korrekturen mit Schreckwirkung, Rütteldosen, Wurfketten, Luftstoßgeräte und sogenannte Bell-Stopp-Systeme, ebenso Einschüchterung durch Anschreien, Blockieren oder Abdrängen.

Wer dagegen verstößt, wird vom Übungsbetrieb ausgeschlossen und verliert die Mitgliedschaft. Unabhängig davon, wie oft und wie schwer. Das ist hart formuliert, und das ist Absicht: Eine Regel, bei der es Ausnahmen gibt, ist im Zweifel keine.

Woran du einen fairen Platz erkennst

Schau dir das Training an, bevor du dich anmeldest. Die meisten Vereine erlauben das.

  • Womit wird gearbeitet? Siehst du Futter, Spielzeug und Lob, oder vor allem Leinen und Korrekturen?
  • Was tragen die Hunde? Auch wenn die Spitzen nach außen gedreht sind, bleibt es ein Stachelhalsband, und sein Einsatz im Training ist untersagt.
  • Wie sehen die Hunde aus? Locker und zugewandt, oder geduckt, hechelnd, mit angelegten Ohren?
  • Was passiert, wenn ein Hund etwas nicht kann? Wird ihm geholfen und die Aufgabe kleiner gemacht, oder wird nachgedrückt?
  • Wie reagiert der Übungsleiter auf Fragen? Wer sich erklären kann, erklärt gern.

Und wenn dir jemand sagt, dein Hund brauche eben eine härtere Hand: Das ist keine Einschätzung deines Hundes, sondern eine Aussage über das Methodenrepertoire des Gegenübers.

Wer tiefer einsteigen möchte: Im Blog der Hundeschule unterHUNDs stehen ausführliche Beiträge zu Lerntheorie und Trainingsmethoden, nachzulesen unter unterhunds.de.

Wenn du bei uns vorbeischauen willst, schreib uns. Ein Kennenlernen oder ein Schnuppertraining ist nach Absprache jederzeit möglich. Was wir voraussetzen, steht auf der Seite Trainingsvoraussetzung.