Warum das neue Ausstellungsverbot nach § 10 TierSchHuV richtig ist – und warum wir als Hundesportverein dazu eine klare Haltung haben
In der Hundewelt wird viel über ein Thema diskutiert: das Ausstellungsverbot nach § 10 der Tierschutz-Hundeverordnung. Gemeint sind dabei nicht bestimmte Rassen pauschal, sondern konkrete Merkmale, bei denen Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten können. Als Mitgliedsverein im DVG und damit Teil des VDH betrifft uns das nicht nur rechtlich, sondern praktisch: auf Prüfungen, Turnieren und Veranstaltungen, an denen unsere Mitglieder teilnehmen.

Wir möchten diesen Beitrag nutzen, um sachlich zu erklären, was das Verbot bedeutet, wen es betrifft – und warum wir finden, dass der Grundgedanke dahinter absolut richtig und notwendig ist.
Was steht im Gesetz?
Seit 2022 ist es verboten, Hunde auszustellen oder an Veranstaltungen teilnehmen zu lassen, wenn sie bestimmte körperliche oder verhaltensbezogene Merkmale aufweisen, die auf erblich bedingte Krankheiten oder Einschränkungen hinweisen.
Das betrifft zum Beispiel Hunde,
- die tierschutzwidrig kupiert wurden (Ohren oder Rute),
- bei denen bestimmte Zuchtmerkmale zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen können, etwa sehr kurze Schnauzen, ausgeprägte Hautfalten oder Fehlbildungen,
- oder die nur unter ständiger tierärztlicher Versorgung gehalten werden können.
Ob eine Veranstaltung unter § 10 fällt, hängt von ihrem Charakter und Zweck ab. Bei Zuchtschauen ist die Lage eindeutig. Reine Sportprüfungen sind nicht automatisch Ausstellungen, können aber betroffen sein, wenn Hunde dort öffentlich präsentiert, beurteilt oder verglichen werden. Der VDH weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der einfache Trainingsbetrieb vom Wortlaut der Vorschrift nicht erfasst wird.
Warum ist das so wichtig?
Das Ziel des Gesetzes ist klar:
Hunde, die unter ihren Zuchtmerkmalen leiden, sollen nicht mehr öffentlich zur Schau gestellt und nicht mehr als züchterisches Ideal präsentiert werden. Denn dadurch würde sich die Nachfrage nach solchen Tieren nur weiter erhöhen – und damit auch der Anreiz, weiterhin Leid zu züchten.
Wir sehen diesen Schritt als wichtige Konsequenz aus vielen Jahren Diskussion über Qualzucht, gerade bei Mode-Rassen wie Mops, Bulldogge oder Cavalier King Charles Spaniel, aber auch bei jagdlich oder sportlich gezüchteten Linien mit überzeichneten Merkmalen.
Ein Blick über die Grenzen
Deutschland ist mit § 10 TierSchHuV nicht allein, und andere Länder sind teilweise weiter gegangen. Zwei Beispiele, die gut belegt sind:
Niederlande. Nach der Verschärfung der Zuchtvorgaben hat der niederländische Kennel Club 2019 als erster Verband weltweit entschieden, für mehrere kurznasige Rassen keine Welpen mehr in sein Zuchtbuch einzutragen, darunter Englische und Französische Bulldogge, Mops und Boston Terrier.
Norwegen. Hier hat ein Rechtsstreit zwischen Tierschutzverein und Kennel Club die Frage vor Gericht gebracht. Der Oberste Gerichtshof hat am 11. Oktober 2023 entschieden: Die Zucht des Cavalier King Charles Spaniel verstößt gegen das norwegische Tierschutzgesetz. Die Zucht der Englischen Bulldogge bleibt dagegen zulässig, aber nur innerhalb eines kontrollierten Zuchtprogramms mit Gesundheitsuntersuchungen, das schwer betroffene Hunde ausschließt. Das Gericht hat ausdrücklich festgehalten, dass es sich um eine Bewertung nach heutigem Stand handelt und spätere Urteile anders ausfallen können, wenn sich die Lage der Hunde nicht verbessert.
Das norwegische Urteil ist auch deshalb interessant, weil es keine Rasse pauschal verurteilt, sondern an die Gesundheit der Zuchttiere anknüpft. Genau darum geht es auch bei § 10: nicht um Rassen, sondern um Merkmale, die Leiden verursachen.
Was ein Rechtsgutachten dazu sagt
Zur Umsetzung des § 10 liegt ein juristisches Gutachten der Kanzlei Rechtsanwälte Günther aus Hamburg vor, erstellt im Auftrag der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht. Es ist eine Rechtsauffassung und kein Urteil, und es widerspricht in mehreren Punkten der Kritik des VDH.
1. Das Ausstellungsverbot gilt unmittelbar
Nach Auffassung des Gutachtens ist das Verbot kein behördlich zu erlassender Verwaltungsakt, sondern unmittelbar geltendes Recht, das keiner vorherigen Einzelanordnung bedarf. Sobald tierschutzrelevante Merkmale vorliegen, darf das Tier nicht öffentlich ausgestellt oder im Wettbewerb gezeigt werden – unabhängig davon, ob jemand das explizit untersagt.
2. Behörden dürfen frühzeitig einschreiten
Wenn ein konkreter Verdacht auf betroffene Tiere besteht – etwa bei bekannten Rassen mit genetischen Problemen – dürfen Veterinärbehörden vorab tätig werden, z. B. durch Auflagen oder Untersagungen einzelner Teilnehmer oder ganzer Veranstaltungen.
3. Veranstalter sind mitverantwortlich
Nicht nur Tierhalter:innen, sondern auch Veranstalter tragen Verantwortung. Wer zulässt, dass Hunde mit verbotenen Merkmalen teilnehmen, verstößt selbst gegen geltendes Recht.
4. Gesundheitsnachweise sind zulässig
Das Gutachten hält Nachweise wie Gentests, Röntgenbilder oder tierärztliche Befunde grundsätzlich für zulässig und verhältnismäßig, soweit sie dazu dienen, das Vorliegen tierschutzwidriger Merkmale zu klären.
5. Der Tierschutz hat Verfassungsrang
Das Gutachten verweist auf das Staatsziel Tierschutz in Artikel 20a des Grundgesetzes, das Eingriffe in private oder sportliche Interessen rechtfertigen kann, wenn dadurch Tierleid verhindert wird.
Die Einwände des VDH
Der VDH hat im Oktober 2024 eine Stellungnahme zur Umsetzung des § 10 vorgelegt und darin mehrere Einwände formuliert. Das Gutachten widerspricht ihnen in drei Punkten:
- Der VDH sieht in § 10 einen Verbotsvorbehalt, der erst eine behördliche Anordnung verlangt. Das Gutachten hält dagegen, dass es sich um ein unmittelbar geltendes gesetzliches Verbot handelt.
- Der VDH hält es für unzulässig, Maßnahmen auf eine Rassedisposition zu stützen. Das Gutachten hält eine konkrete Gefahrenprognose bei bekannten Dispositionen für rechtlich zulässig.
- Der VDH hält die verlangten Untersuchungen für unverhältnismäßig. Das Gutachten sieht Gentests und Röntgenuntersuchungen als verhältnismäßige Mittel der Gefahrenabwehr.
Fairerweise gehört dazu: Der VDH argumentiert nicht gegen den Tierschutz, sondern gegen die Art der Umsetzung. Sein Haupteinwand lautet, dass pauschale Untersuchungspflichten für klinisch gesunde Hunde den Breitensport treffen, ohne einem einzigen Hund zu helfen. Über diesen Punkt lässt sich streiten, und er ist nicht dasselbe wie die Frage, ob das Verbot als solches richtig ist.
Fazit
Das Gutachten kommt zu folgenden Ergebnissen:
- Die Zulässigkeit und Pflicht zur Umsetzung des Ausstellungsverbots,
- Die Mitverantwortung von Veranstaltern,
- Und die Rechtskonformität präventiver Maßnahmen.
Die Argumentation, § 10 TierSchHuV sei grundsätzlich unwirksam oder nur nach behördlicher Einzelentscheidung anwendbar, teilt dieses Gutachten nicht.
Unsere Haltung als Hundesportverein
Wir stehen als Verein für gesunde Hunde, faire Ausbildung und verantwortungsvolle Mensch-Hund-Teams.Dazu gehört auch, dass wir:
- kritisch hinterfragen, wie Zuchtstandards entstanden sind,
- unsere eigenen Veranstaltungen im Blick behalten,
- und uns für Regeln einsetzen, die das Tierwohl schützen – selbst wenn sie unbequem sind.
Wir verstehen nicht, warum ein Gesetz, das das Ziel hat, Leid zu verhindern, auf so viel Widerstand stößt.Und wir hoffen, dass sich auch die Dachverbände in Zukunft klarer auf die Seite des Tierschutzes stellen.
Denn Hundesport ist mehr als Punkte, Pokale oder Pedigrees.
Er ist Beziehung, Bewegung – und Verantwortung.
Abschließend
… möchten wir alle Hundesportler:innen, Züchter:innen, Besucher:innen und Veranstaltenden ermutigen:
- Informiert euch, was das Ausstellungsverbot konkret bedeutet.
- Achtet bei der Auswahl eines Hundes nicht auf Äußerlichkeiten – sondern auf Gesundheit, Wesen und Funktionalität.
- Setzt ein Zeichen für fairen Sport mit gesunden Hunden.